Erklärung des DZF zum Übergriff auf den türkisch-zypriotischen Journalisten Murat Kanatli
20.10.2003 - Am 18. Oktober ist im Rahmen einer rechtsradikalen Demonstration in Nicosia (Nordzypern) der Journalist und Redakteur der Zeitung YENICAG Murat Kanatli von ca. 30 Mitgliedern der "Grauen Wölfe" angegriffen und geschlagen worden. Dabei wurde ihm sein Fotoapparat entrissen. Die Polizei, welche den Vorgang von Anfang beobachtet hatte, sah tatenlos zu und holte Kanatli lediglich den Fotoapparat zurück, wobei die Diskette der Digitalkamera mit den Aufnahmen der Demonstration entwendet worden war.
Wir verurteilen den Freiraum, den die Türkei auf Nordzypern den rechtsradikalen "Grauen Wölfen" gewährt. Diese Organisation ist berüchtigt für ihre paramilitärische Organisationsstruktur und unter anderem durch das Attentat auf den Papst Anfang der 80er Jahre bekannt geworden. Durch ein Kommando der "Grauen Wölfe" wurde 1996 in der Pufferzone auf Zypern ein griechisch-zyprischer Demonstrant erschossen. Die Organisation wird international als Terrororganisation wahrgenommen.
In Nordzypern reichen ihre Aktivitäten von der Einschüchterung durch Bedrohung von Journalisten, Oppositionspolitikern und Friedensaktivisten bis zu Mordanschlägen - zuletzt Mitte der 90er Jahre auf den türkisch-zypriotischen Journalisten Kutlu Adali. In den vergangenen Wochen hat die Organisation ihre Aktionen ausgeweitet. So hat sie die oppositionelle Zeitung "Afrika" (vormals AVRUPA) und ihre Mitarbeiter erneut zu Volksverrätern erklärt und so zur Zielscheibe ihrer Aktivisten gemacht. Solche Aktivitäten und die von den Sicherheitsorganen gewährte Aktionsfreiheit schaden dem Ansehen der Türkei, die damit Gefahr läuft, dass die Gegner einer EU-Mitgliedschaft zusätzliche Argumente erhalten.
Wir appellieren an die Regierung der Türkei, dafür Sorge zu tragen, dass die "Grauen Wölfe" aus Zypern entfernt werden, und dass ihr Aktivitäten durch die örtliche Polizei streng nach Recht und Gesetz verfolgt werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass den "Grauen Wölfen" in Nordzypern und in der Türkei die Agitationsbasis gegen die Europäische Union genommen wird.
Wir verurteilen die Untätigkeit der Polizei beim Angriff der "Grauen Wölfe" gegen unser Mitglied Murat Kanatli und erklären diesem und allen Friedenskräften auf Zypern erneut unsere Solidarität.
Das Deutsch-Zyprische Forum e.V. (DZF) ist eine Nichtregierungsorganisation, die die friedliche Wiederannäherung der Volksgruppen in Zypern unterstützt. Engagierte türkische und griechische Zyprioten, sowie an Zypern interessierte Deutsche in Deutschland und auf Zypern haben sich im Forum für einen bikommunalen Austausch zusammengeschlossen.