Zypern: Polizei schüchtert Friedensaktivisten ein
Sowohl die griechisch-zyprische als auch die türkisch-zyprische Polizei versucht Friedensaktivisten der "Bikommunalen Initiative gegen Krieg und Nationalismus" einzuschüchtern und daran zu hindern, an einem gemeinsamen zweitägigen Friedenscamp im Norden der Insel teilzunehmen.
10.09.2003 - Die "Bikommunale Initiative gegen Krieg und Nationalismus" hatte für den 6. und 7. September ein Friedenskamp in Nordzypern organisiert. Bei vier der griechisch-zyprischen Mitglieder versuchte am Samstag die griechisch-zyprische Polizei am Check-Point die Reisepässe zu konfiszieren und sie so daran zu hindern, in den Norden zu reisen mit der Begründung, die Übernachtung im Norden der Insel sei illegal. Nachdem die Friedensaktivisten dagegen protestierten, konnten sie schließlich passieren. Das Camp fand teilweise unter strenger Polizeiüberwachung seitens der türkisch-zyprischen Polizei statt. Polizisten in Zivil und in Uniform nahmen Personalien der Teilnehmer auf und notierten Autokennzeichen, während die Polizei offiziell erklärte, sie würde am späten Abend eingreifen. Sie drohte den griechisch-zyprischen Teilnehmern, sie auf eine schwarze Liste aufzunehmen und künftig nicht mehr in den Norden einreisen zu lassen. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als in den Süden zurückzufahren und Sonntagmorgen erneut einzureisen. Bei ihrem Passieren des Check-Point gab es eine Sonderbehandlung im Vergleich zu den anderen Durchfahrenden, die jedoch ohne Zwischenfälle blieb. Man ließ sie merken, dass sie registriert sind.
Die "Bikommunale Initiative gegen Krieg und Nationalismus", die nach der teilweisen Aufhebung der Reiserestriktionen in Zypern gegründet wurde, besteht aus griechischen und türkischen Friedensaktivisten und politischen Personen, die im neugeschaffenen Klima der Versöhnung zur Bildung einer breiten bikommunalen Annäherungsbewegung beitragen und gemeinsam den Nationalismus bekämpfen möchten. In einer ersten Aktion hatten sie am 26. Juli gemeinsam der Opfer der Kriege aus beiden Volksgruppen gedacht. Im Vorfeld dieser Aktion wurde mit dem Eingreifen der Grauen Wölfe und anderen Terrorgruppen gedroht. Schließlich verweigerten die türkisch-zyprischen Behörden den Teilnehmern den Zugang zu dem geplanten Gedächtnisort. Für den 27. September plant die Gruppe eine Antikriegsveranstaltung.
Nach Einschätzung des Deutsch-Zyprischen Forums dient das Vorgehen der Polizei der Verunsicherung der Bevölkerung. Das Deutsch-Zyprische Forum appelliert an die Zuständigen beider Seiten, den Übergang für die Menschen so unbürokratisch wie möglich zu gestalten und insbesondere die bikommunalen Gruppen in ihrer für den Friedensprozess wertvollen Arbeit nicht zu behindern.