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Pressemitteilungen Proteste nach Bankenzusammenbruch

Nach Protesten gegen den Zusammenbruch mehrerer Banken: Ausschreitungen und Festnahmen in Nordzypern

Dortmund, den 25. Juli 2000 - Während der gestrigen Proteste von rund 3.000 Demonstranten in Nordzypern kam es zu Ausschreitungen und zahlreichen Festnahmen. Nach Angaben des Vorsitzenden des nordzyprischen Menschenrechtsvereins „Rechte und Freiheiten“ wurden rund 80 Personen festgenommen, darunter zehn Gewerkschaftsvorsitzende sowie der ehemalige Bildungsminister Güney Caymaz. Den inhaftierten Gewerkschaftern wird vorgeworfen, „durch Förderung der Demonstration die staatliche Einheit zerstören zu wollen“.

Ein sogenannter „Ausschuss der Opfer der Bankenkrise“ hatte zur gestrigen Demonstration aufgerufen, weil infolge von Zusammenbrüchen mehrerer Banken zahlreiche Kleinanleger ihre Ersparnisse verloren hatten. Nachdem der Demonstrationszug das Parlamentsgebäude erreicht hatte, kam es zu Ausschreitungen, als einige Demonstranten gewaltsam in das Gebäude eindrangen. Polizei und Armee reagierten mit Tränengas und Gummigeschossen. Auch zu Schusswaffengebrauch soll es gekommen sein. Fünf Journalisten wurden verletzt, einer davon schwer.

Die türkische Tageszeitung Hürriyet berichtete bereits in ihrer Ausgabe vom Montag von „staatszerfallenden Tendenzen“ in Nordzypern. Bei seinem ersten Interview nach den Ereignissen sprach der Präsident der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern, Rauf Denktasch, gestern ebenfalls von „Staatszerfall“. Denktasch war am Montag zur Fortsetzung der Annäherungsgespräche nach Genf abgereist. In seinem Interview kündigte er an, dass er alle Mittel einsetzen werde, um diesen Zerfall zu beenden. Nach seinen Vorstellungen solle in Nordzypern ein Präsidialsystem eingeführt werden, bei dem alle zentralen Machtbefugnisse in der Hand des Präsidenten konzentriert sein sollen. Der Volksgruppenführer ist seit längerem bemüht, die Regierung von Ministerpräsident Eroglu und das Parlament zu entmachten sowie die linke Opposition und die oppositionsnahe Zeitung AVRUPA zum Schweigen zu bringen.

Die Situation in Nordzypern ist zur Zeit von wachsender Unzufriedenheit der Bevölkerung geprägt. Erst vergangene Woche gab es eine friedliche Demonstration für Freiheit und Demokratie mit rund 12.000 Teilnehmern, zu der ein oppositionelles Bündnis von 34 Gewerkschaften, Parteien und Organisationen aufgerufen hatten. Dieses Bündnis hat die gestrige Demonstration weder mitorganisiert noch unterstützt.